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Der Großvater, die Produktion,
die Lehrtätigkeit, das
Zugunglück – im Leben des Dresdner
Malers und Kunstpädagogen Adolf
Böhlich gab es viele Einflüsse. Die Liebe
zur Natur, die sich durch viele seiner bekannten
Aquarelle zieht, ist aber vielleicht die
bedeutendste Konstante im Schaffen
des Künstlers, der Ende April seinen 70.
Geburtstag beging. »Unter Malerei verstehe
ich eine harmonische Beziehung zur
Welt und zu den Menschen«, erzählt der
Mann, der bis 1998 als Professor für Kunstpädagogik
am Institut für Kunst- und Musikwissenschaften
der TU Dresden tätig war.
Der Ursprung dieses Selbstverständnisses liegt
in der Kindheit Adolf Böhlichs verankert.
1933 in Johannesberg in Nordböhmen
geboren, entwickelte sich vor allem
zum Großvater eine innige Beziehung. Trotz
Krieg und Nazi-Regime vermittelte er
ihm ein Naturverständnis, das Adolf
Böhlich sein ganzes Leben lang begleitet hat.
Nach dem Krieg wurde die Familie Böhlich
aus
Nordböhmen vertrieben und sollte eigentlich
nach Mecklenburg umsiedeln. Die
Mutter entschied aber anders, packte den
12-jährigen Sohn auf dem Bahnhof in Dresden
am Arm und fuhr zu Bekannten in
die Lausitz. Dort machte Adolf Böhlich schließlich
seinen Schulabschluss. Anschließend ging
er im Sachsenwerk in Radeberg in
die Lehre. Diese sollte ihm sowohl in
seiner praktischen Arbeit als Künstler
sowie in seinen theoretischen Betrachtungen
der Kunst sehr stark beeinflussen. Er besuchte während seiner Ausbildung einen Mal- und Zeichenzirkel, welcher
vom Dresdner Grafiker Gerhard
David geleitet wurde.
»Dieser hatte im Krieg seine rechte
Hand verloren und einfach mit der linken
Hand von vorn begonnen. Da sagte ich
mir: wenn ein Mann mitten im Leben so
etwas noch einmal von Anfang an erlernen kann,
kann ich das auch«, erzählt Adolf Böhlich. Die Idee, ein Kunststudium aufzugreifen,
war geboren.
Nach Abschluss seiner Lehre bewarb er sich
1952 an der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF)
der Hochschule für Bildende Künste
(HfBK) in Dresden und erwarb während
des dreijährigen Studiums die Grundlagen
der Bildenden Kunst und Kunstgeschichte.
Dass er nicht sofort nach dieser
Ausbildung als Maler und Bildhauer durch
die Welt zog, sondern sich der Pädagogik
zuwandte, hat er seiner späteren Frau
zu verdanken, die damals an einer Landschule
in der Oberlausitz unterrichtete, als
Adolf Böhlich zur Hospitation mit
im Klassenraum saß. Die Atmosphäre und
der Umgang mit den Schülern beeindruckten ihn
so sehr, dass er schließlich an der
HfBK blieb und sich zwischen 1955 und
1958 zu einem Studium der Kunsterziehung entschloss.
Zwischen 1958 und 1960
arbeitete er als Kunsterzieher in Dresden und
ging danach an den Lehrstuhl Kunsterziehung
der Pädagogischen Hochschule (PH)
in Dresden. Bis 1970 blieb er zeitgleich
Kunsterzieher im Schulunterricht. 1968 erlangte er die Promotion A, die Promotion
B folgte im Jahre 1977.
Fünf Jahre später wurde er Dozent an der PH und
1985 Professor für Theorie und Praxis der
Bildenden Kunst an der PH Dresden, was
er auch 1992 bei der Übersiedlung der Pädagogischen
Hochschule an die TU Dresden
inne hatte. Ein Jahr später ernannte man
Adolf Böhlich zum Professor der
Kunstpädagogik, und seit 1998, dem Jahre
seiner Emeritierung, kann er sich nun
voll der Malerei widmen. Mit Letzterem, dem Problem des Schaffens und
des Lehrens und beides zeitmäßig unter einen Hut zu bekommen, musste er sich
sein ganzes Leben lang rumplagen. Nicht
nur durch seine Arbeit an der PH und
TU war er immer sehr eingespannt. Er leitete Kommissionen, musste Gutachten erstellen, saß in Besprechungen
– der Künstler in ihm brannte vierzig Jahre lang fast
zwangsläufig auf Sparflamme. Doch Adolf Böhlich ist nicht traurig über die Dinge, die wegen fehlender Zeit
nicht angegangen werden konnten.
Soviel habe er erreicht,
soviel erlebt – und überlebt. »Es war im Sommer 1990. Ich fuhr zusammen mit meiner Gattin und meinen
beiden Enkelsöhnen vom Urlaub in Mecklenburg nach
Dresden zurück. Plötzlich gab es einen furchtbaren Knall, der Waggon kippte
und überschlug sich mehrmals.« Adolf Böhlich kann diese Geschichte, 13 Jahre später, relativ gefasst
erzählen, obwohl der Ausgang des Unglücks ihn bis zum Lebensende zeichnen
wird. Seine Hand – die rechte, mit der er gezeichnet und radiert hat –
hing nur noch an ein paar Sehnen. Radierungen sind seitdem passé.
Spricht man den
Jubilar auf seine über 40 Jahre dauernde Lehrtätigkeit an, findet er meistens
nur gute Worte. »Ich hatte immer tolle Kollegen,
und die Arbeit mit den Studenten hat mir all die Jahre eine große Freude bereitet«,
erzählt er. Doch kommt das Gespräch
auf die Lehr- und Lernbedingungen vor
und nach der Wende, gibt es bei Adolf Böhlich doch einige Sachen, die aus
seiner Sicht nicht gut gelaufen sind. »Ich halte immer noch den Sozialismus
für eine Alternative, nur
nicht so, wie er in der DDR in den letzten Jahren propagiert wurde«, sagt
er. So hätten sich beispielsweise die Bedingungen an der Pädagogischen Hochschule
und später an der TU Dresden kontinuierlich verschlechtert. Die pädagogische
Ausbildung sei nach der Wende ebenfalls immer schlechter geworden.
Eine persönliche
Schmach musste er, der für seine Aquarelle und Radierungen weit über Deutschland
hinaus Anerkennung fand, nach der Wende erleben, als seine Professorenstelle neu
ausgeschrieben wurde. »Zwar sollte ich mich auf Wunsch der Hochschule auf die
Stelle bewerben, doch es war schon ein komisches Gefühl, nach rund 30 Jahren
anerkannter Tätigkeit solche Geschichten mitzumachen«, erzählt er.
Adolf Böhlich bewarb sich schließlich für seinen alten Posten und bekam
diesen auch wieder. Ein Beigeschmack sei aber geblieben.
Trotz dieser nicht immer
schönen Erlebnisse genießt
der 70-Jährige sein »neues« Leben als Pensionär. Endlich habe
er genügend Zeit, das zu machen, was er schon immer machen wollte: den ganzen
Tag lang malen.
Thomas Eisenhuth
Quelle:
Dresdner UniversitätsJournal
/ 14.Jahrgang / Nr. 9
http://www.tu-dresden.de/presse/uj/PDF/UJ09-03.pdf
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